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Fingernägelkauen bei Kindern: Kleines Mädchen knabbert am Nagel ihres Zeigefingers.
iStockphoto/metinkiyak
Symbolbild

Fast jedes dritte Kind kaut an den Fingernägeln. Unsere Tipps helfen dabei, die schmerzhafte Angewohnheit loszuwerden. 

Wenn Kinder ihre Fingernägel bis ins Nagelbett abkauen, blutet auch anderen das Herz beim Blick auf die malträtierten Fingerspitzen. Und besorgte Eltern fragen sich: Das ist doch nicht normal, oder?

Nägelkauen ist nicht ungewöhnlich …

Tatsächlich ist Fingernägelkauen eine ziemlich weit verbreitete Angewohnheit bei Kindern. Sie beginnt meist schon im Vorschulalter zwischen vier und sechs Jahren. Zur Beruhigung vorweg: Häufig ist es nur eine Phase, in der Kinder an ihren Fingernägeln kauen. Sie geht vorbei. Bei Erwachsenen betrifft diese Angewohnheit dann nur noch etwa zehn Prozent.

… aber Fingernägelkauen ist ungesund

Abgekaute Fingernägel sehen nicht nur ungepflegt aus, sie können auch zur Gesundheitsgefahr werden. Denn schon kleine Verletzungen der Nagelhaut bieten Krankheitserregern ein Einfallstor. Als Folge drohen schmerzhafte Nagelbettentzündungen, die sich weiter ausbreiten können. Auch Bakterien und Nagelpilze haben so ein leichteres Spiel.

Nagelbettentzündung

Versorgen Sie die verletzte Haut mit entsprechender Wundschutzcreme. Falls Sie schon Entzündungen am Nagelbett bemerken, fragen Sie bei uns in Ihrer Apotheke nach. Spezielle antiseptische und wundheilende Cremes helfen, diese schnell abklingen zu lassen. Auch Nagelstifte oder Nagelcremes mit pflegenden Ölen können dabei unterstützen, Nägel und Nagelhaut aufzubauen und zu stärken. Wir beraten Sie gern zu kindgerechten Produkten.

Gründe fürs Fingernägelkauen

Warum Kinder an ihren Fingernägeln kauen, kann viele Ursachen haben. Manchmal ist es ein Zeichen von Aufregung, zum Beispiel, wenn eine Fernsehsendung gerade unerträglich spannend wird. Dann wirkt das Knabbern am Fingernagel beruhigend. Bei Stress und Nervosität dient das Fingernägelkauen auch manchmal als Ventil, um Dampf abzulassen und innerliche Spannung abzubauen. Knabbern und Kauen aus Langeweile kann ebenfalls eine Ursache sein. Deshalb ist es wichtig herauszufinden, was hinter dem Nägelkauen steckt. Beobachten Sie Ihr Kind über einen Zeitraum von mehreren Wochen:

  • In welchen Situationen knabbert das Kind an den Nägeln?
  • Hat es Angst oder Stress im Kindergarten beziehungsweise in der Schule? Wird es von anderen ausgegrenzt?
  • Ist es überfordert mit einer Situation – zum Beispiel Trennung oder Umzug, einer neuen Umgebung, neuen Bezugspersonen etc.?

Manchmal zeigt sich dann ein Muster, in welchen Situationen die Finger zum Mund wandern. Das hilft Ihnen dabei, gezielter nach einer Strategie suchen, wie Ihr Kind diese unliebsame Angewohnheit wieder loswird

5 Tricks gegen Nägelkauen

Die Suche nach Hilfsmitteln, die den Abgewöhnungsprozess unterstützen können, gibt es schon seit Langem. Früher hat man kleinen Nägelkauern scharfe oder bittere Lebensmittel wie Senf oder Meerrettich auf die Fingerspitzen geschmiert. Heute gibt es professionellere Mittel – mit ähnlicher Wirkung.

Einmal am Tag die Fingernägel mit einem speziellen, ziemlich bitter schmeckenden, aber ungefährlichen Lack einzupinseln kann helfen, die Lust am Nägelkauen zu verlieren. Bei uns in Ihrer Apotheke finden Sie verschiedene Mittel – schon für Kinder ab drei Jahren. Fragen Sie uns, wir beraten Sie gern.
Auf einem Pflaster herumzukauen scheint für viele Kinder auch nicht das Gleiche zu sein wie an den Fingernägeln. Das Fremdkörpergefühl im Mund macht ihnen zudem bewusst, dass sie gerade an den Nägeln beißen wollten. Kleben Sie die Nägel so ab, dass sie unsichtbar sind. Das hilft der verletzten Nagelhaut auch dabei, sich zu erholen. Tipp: Spezielle Pflaster aus der Apotheke helfen zusätzlich bei eingerissenen Fingerkuppen und Rissen in der Nagelhaut.
Auch hier gilt: Sind die Nägel nicht mehr sichtbar, macht das Knabbern weniger Vergnügen. In Ruhephasen, zum Beispiel beim Sitzen vor dem Fernseher, können waschbare Baumwollhandschuhe dabei helfen, das Nägelkauen zu unterdrücken. Beim Spielen oder Herumtoben behindern sie allerdings.
Statt bei Stress auf den Fingernägeln zu kauen, kann man auch einen Igelball zwischen den Handflächen kreisen lassen oder auf einen Stressball drücken.
Für Menschen mit Kauzwang gibt es mittlerweile Halsketten mit speziellen Anhängern, an denen sie entspannt knabbern können – ohne sich selbst zu verletzen.

Keine Vorwürfe

Erwachsene sollten sich in Geduld üben. Vorwürfe und Strafen helfen bei Fingernägelkauen nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall: Sätze wie „Jetzt lass doch mal die Finger aus dem Mund!“, oder „Mensch, hör auf, die Nägel abzukauen!“ setzen Kinder zusätzlich unter Druck. Hilfreicher sind Entspannungsmethoden wie Fantasiereisen, Körpermassagen oder Kinder-Yoga. Oder einfach ein gemeinsames Kuschelstündchen in der Sofa-Ecke mit Vorlesen oder Geschichtenerzählen. Und loben Sie Ihr Kind, wenn die Nägel wieder ein winziges Stückchen gewachsen sind.

Was kann ich noch tun?

Wenn alle Bemühungen scheitern und das Nägelkauen nicht aufhört, können Sie sich professionelle Unterstützung holen. 

  • Erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt oder die Kinderärztin. Stecken hinter dem Fingernägelkauen seelische Gründe, raten sie eventuell zu einem Besuch bei einer Kinderpsychologin oder einem Kinderpsychologen.
  • Gibt es andere Ursachen für das Fingernägelkauen wie Stress im Kindergarten oder in der Schule, finden Eltern bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) Unterstützung. Auf ihren Internetseiten bietet die BKE Chats, Foren sowie Einzelgespräche an.

Gemeinsam die Nägel pflegen

Buddeln im Sand, Matschen und mit den Händen alles begreifen: Das ist wichtig für die Entwicklung und gehört zu einer freien Kindheit dazu. Händewaschen danach aber auch. Eine Handmassage abends vor dem Schlafengehen ist angenehm oder eine ­eigene Tube Handcreme, mit der das Kind die Hände selbst eincremen darf. Wir empfehlen Ihnen gern geeignete Produkte zur Hand- und Nagelpflege für gesunde Kinderhände.

 

Thomas Wagner,

Ihr Apotheker

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